Warum sind Zahnbehandlungen beim Pferd notwendig?
Pferdezähne wachsen bis zu einem Alter von ca. 6 Jahren. Die Backenzähne haben dann ca. eine Länge von 10 cm erreicht. Im Maul sichtbar ist die Krone – Reservekrone und Wurzel liegen im Zahnfach. Jährlich schieben die Zähne 1-3 mm vor. Oft entsteht dabei ein unregelmäßiger Abrieb, der im Zuge der Zahnbehandlung korrigiert wird. Ziel ist es Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben und so ein gut ausbalanciertes Gebiss bis ins hohe Alter zu haben.
Wann sollte die erste Zahnbehandlung bei einem jungen Pferd erfolgen?
Spätestens vor dem Anreiten sollte die erste Zahnkontrolle erfolgen. Im Alter von 2-5 Jahren findet der Zahnwechsel statt. Es ist also besonders darauf zu achten, ob alle bleibenden Zähne problemlos durchbrechen können oder ob Fehlstellungen vorliegen, die frühzeitig korrigiert werden sollten. Ebenso wird das Gebiss auf Wolfszähne (rudimentäre, ehemalige Backenzähne) kontrolliert. Diese können aufgrund ihrer Lage in Trensennähe Probleme machen. Unter zusätzlicher lokaler Betäubung können sie entfernt werden. Jedes Pferd sollte regelmäßig (alle 6-12 Monate) zu einer Zahnkontrolle vorgestellt – und falls notwendig einer Zahnbehandlung unterzogen werden.
Wie äußern sich Zahnprobleme beim Pferd?
Pferde sind Fluchttiere und leiden deshalb still. Nicht jedes Pferd mit Zahnproblemen zeigt diese auch. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen so wichtig.
Mögliche Anzeichen können sein:
- Langsames Fressen
- vermehrtes Speicheln
- Wickel kauen
- Futter aus dem Maul fallen lassen
- Head shaking
- Gewichtsverlust
- Schwellungen im Kieferbereich
- Probleme in der Anlehnung
- unverdaute Getreidekörner/grobe Fasern im Kot
- stinkender Ausfluss aus Nase oder Maul
- Neigung zu Koliken (Verstopfungen, Aufgasungen)
- Schlundverstopfung
EOTRH – eine oft unterschätzte Erkrankung
Equine odontoclastic tooth reseption and hypercementosis EOTRH ist eine weit verbreitete, hochgradig schmerzhafte, aber leider oft spät erkannte Erkrankung der Schneide und ggf. auch Hengstzahnwurzeln. Häufig betroffen sind Pferd über 15 Jahre, sowie die Rassen Isländer, Quarter Horses und Haflinger. Die Wurzeln der Zähne lösen sich auf oder beginnen unkontrolliert zu wuchern. Folgende Symptome können ein Hinweis auf EOTRH sein: Gerötetes Zahnfleisch, Zahnfleischrückgang, Fistelbildung, Probleme beim Abbeißen von Karotten oder hartem Brot, lockere oder abgebrochene Schneide/-Hengstzähne, Schmerzgesicht (angespannte Gesichtsmuskulatur). Der chronische Schmerz kann sich auch auf den Gemütszustand des Pferdes auswirken. So wirken diese Pferde oft still, in sich gekehrt, sind schlecht gelaunt oder nehmen ab.
Leider können die betroffenen Zähne nicht erhalten werden und müssen extrahiert werden. Dies führt bei den Patienten zu sofortiger Schmerzreduktion. Auch Pferde, welche eine Totalextraktion der Schneidezähne benötigen können sobald die Wundhöhlen verschlossen sind fressen wie zuvor. Auch Grasen ist möglich.






